Brief an Detlev von Liliencron, 4.2.1892, Ort unbekannt / Seite 4

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in dieser Kinderstubenatmosphäre
um mich her. Ach, Frecheit! —
Ihr Jünglingsbild hat mir 2
schöne Verse eingegeben heut morgen;
aus der Kinderzeit. Ich will sie
in eine größere Elegie einrücken;
wenn sie fertig ist, schicke ich
Ihnen das Ganze zu.
Leben Sie wohl, Detlev,
lieber Freund!
Ihr Richard.
Magazin u. Freie Bühne krigen Sie
natürlich, sowie sie erschienen sind.
Was Sie mir über Ihre Heine-Studien
sagten, war mir sehr merkwündig. Viel-
leicht bin ich augenblicklich auch nur in so
einem (kritischen) Stadium u. werde später
wieder freier genießen können. Wahr-
scheinlich ist man während der eignen Häutungs-
periode immer auch gegen Andre am liebsten „kri-
tisch‟. Als Junge habe ich natürlich gleich-
falls „geschwärmt‟ für Keine.

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